Die Geschichte vom lieben Gott
und wie aus einem traurigen ein glückliches Engelchen wurde


Es war einmal ein kleiner Engel mit Flügeln so weiß wie Schnee und obwohl er hätte freudig sein müssen, so meinten es wohl einige andere, kullerten ihm doch hin und wieder einige Tränen über sein hübsches Gesicht.

Eines Tages, der kleine Engel war wieder einmal sehr traurig, nahm ihn der liebe Gott an seine Hand und führte ihn in sein allerheiligstes Himmelreich. Er setzte den kleinen Engel auf einen reich verzierten Stuhl und nahm gleich  neben ihm Platz. Der kleine Engel schaute ganz erstaunt zum lieben Gott und war nun ganz aufgeregt, der liebe Gott konnte es an den Bewegungen der wunderschönen, weißen Flügel erkennen, die leicht zitterten und sprach zu ihm mit ganz ruhiger Stimme. "Schon oft habe ich dich weinen sehen und genau so oft habe ich mich gefragt, wann wird er endlich zu mir kommen? Wann fast der kleine Engel den Mut und fliegt mit seinen weißen Flügeln über seinen Schatten und kommt zu mir?"

Der kleine Engel, saß da wie erstarrt, denn er dachte der liebe Gott würde mit ihm schimpfen, denn schließlich hat er ja eine Aufgabe, und diese ist bestimmt keinesfalls immer nur weinen. Freude, soll er den Menschen bringen, das ist doch seine Aufgabe. Dem lieben Gott war kaum entgangen, dass dem kleinen Engel die Angst auf der Engelsstirn stand und sprach ruhig zu ihm weiter. "Weißt du, Engelchen, und dann dachte ich mir so, woher sollte der kleine Engel wissen, dass er von mir Hilfe haben kann, vielleicht hat es ihm ja noch niemand erzählt?"

"Dooooch"  sprach das Engelchen und klappte seine Flügel nun wieder traurig zusammen, "Doch das haben mir die anderen schon erzählt. Aber ich hatte Angst dich darum zu bitten, mir meine Tränen zu trocknen, denn sicher hast du doch anderes zu tun?"  Mit dem Blick zum Boden sprach er diese Worte zum lieben Gott, doch dieser nahm behutsam seine Hand und fasste das Engelchen am Kinn und hob so sein trauriges Köpfchen an.

"Nein", sagte der liebe Gott, bestimmt aber doch gütig, "Ich habe für Gerechtigkeit und Liebe zu sorgen. Und nun mein Engelchen sag mir doch bitte, warum weinst du denn so oft?" Das Engelchen war ergriffen, von den lieben Worten und fasste nun wieder Mut. Es schaute den lieben Gott an und sprach von seiner Engelsseele weg, was ihn immer so traurig machte. "So, so", sagte der liebe Gott, "Du dachtest also, du könntest hier spielen und herumtoben, dich endlich ausruhen und dann musstest du feststellen, dass du jeden Tag in die Engelsschule musst und dort das Lernen, was du als erwachsener Engel brauchst um Menschen zu helfen, die dich dann darum bitten werden?"

Der liebe Gott schaute ein wenig irritiert, denn so etwas war ihm noch nicht geläufig. Der kleine Engel bewegte nun wieder seine Flügelchen vor Aufregung und hoffte keine Bestrafung zu erfahren, wegen dem, was er dem lieben Gott anvertraut hatte. Dieser war vom Stuhl aufgestanden, lief hin und her und schaute immer mal wieder zum Engelchen, diesem war bewusst, der liebe Gott wird nun entscheiden.

Immer wieder schaute der liebe Gott zu ihm hin und rieb seine Hand im Genick auf und ab, dabei zog er seine Augenbrauen hoch, so, als ob er sich noch unschlüssig wäre. Doch plötzlich setzte er sich wieder neben das Engelchen und sagte ihm, "Also gut" und er sagte es mit einer bestimmenden lauten, doch auch gütigen Stimme zum Engelchen, "Du wirst ab morgen keine Schule mehr besuchen, ich werde dich ein Jahr freistellen. Du darfst toben und lachen, rennen und spielen, auch ausruhen, alles was dein Herz begehrt."

"Aber", sagte er noch, "Du wirst in einem Jahr wieder zur Schule gehen und lernen. Wir brauchen dich Engelchen."



Das Engelchen zeigte ein wunderschönes Lächeln auf seinem Gesicht, seine weißen Flügel klappten nun auf und zu, auf und zu, vor lauter Engelsfreude. "Ja, ja" sprang das Engelchen dem lieben Gott auf den Schoß, "Ich darf spielen und herumtoben. Danke lieber Gott" sprach das Engelchen mit freudiger Stimme "Und ich verspreche dir, im nächsten Jahr werde ich zur Schule gehen und fleißig alles lernen, was ich brauche, um den Menschen zu helfen, wenn sie mich bitten." "Das freut mich", erwiderte der liebe Gott dem Engelchen. "Aber, aber", sagte der liebe Gott erstaunt, als er in das kleine Engelsgesicht schaute, "Du wirst doch keineswegs schon  wieder ...? "Nein", sagte nun der kleine, glückliche Engel, "Diese Tränchen laufen nur aus Freude über mein Gesicht, weil ich mich jetzt so glücklich fühle."

Das Jahr war noch nicht ganz vorüber, da fasste sich der kleine Engel wieder Mut und bat den lieben Gott um ein Gespräch. Es sprach davon, wie langweilig die Tage geworden seien, die es nur mit Spielen und Herumtoben verbrachte, und das er nun fühle, das er sich auf das Lernen einlassen möchte. Der liebe Gott freute sich über die Worte des Engels und fragte ihn, ob er sich denn wirklich sicher sei? Der kleine Engel bewegte seine weißen Flügel, so als mochte er dem lieben Gott zeigen, wie aufgeregt er schon wäre, endlich wieder lernen zu dürfen. Der liebe Gott stimmte dem zu und gab dem kleinen Engel noch gutgemeinte Worte mit auf seinen Weg. "Es freut mich, das du bereits gelernt hast kleiner Engel, du siehst also, auch beim Spielen kannst du etwas lernen für dich. Doch, wenn das Lernen dich wieder einmal überfordern sollte, sei immer ehrlich und sprich rechtzeitig darüber. Denn Pausen sind auch für Engel wichtig und es wird dann andere Engel geben, welche die Aufgaben in der Zeit deines Ruhens übernehmen.


M.Jana Goeritz